NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft in Bühne

Vier Jahre nach dem Besuch des damaligen deutschen Vizekanzlers Franz Müntefering in der Bühner Alsterhalle gelang Jutta Kropp, Hans-Günter Fels und Jürgen Dierkes mit der Verpflichtung der NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft der nächste große Wurf.
Als Franz Münterfering seinerzeit beim Bühner Gesangverein höchstpersönlich mitsang, war das mehr oder weniger eine Sensation für Bühne.

Heute weiß man nun, dass solche Auftritte dazu dienen, um volkstümlich zu wirken. Hannelore Kraft sang also auch gemeinsam mit der Bühner Concordia den von der Gruppe Karat abgekupferten Maffay Hit „Über sieben Brücken“. Danach folgte für die 1961 geborene Politikerin die weitaus schwierigere Übung. Erstaunlich textsicher begleitete sie den Chor bei einem 50-er Jahre Medley (Die Lieder habe ich oft von meinen Eltern gehört).
Bis auf diese wohl dazu gehörende Gesangseinlage wirkte die Präsidentin in Bühne so, wie sie ist und man sie vom Fernsehen her kennt: Bodenständig, natürlich, sympathisch, glaubhaft, westfälisch echt und ohne Schnörkel. Dieser Beschreibung werden selbst politische Gegner von ihr wahrscheinlich zustimmen.
„Wann kommt sie endlich?“ fragten die vor der Halle wartenden Kinder voller Ungeduld. Als es dann tatsächlich nach einer 20-minütigen Verspätung so weit war, musste selbst die lokale Politikprominenz ein wenig warten, denn der hohe Gast beschäftigte sich zunächst mit dem Nachwuchs. Sie ließ sich die mitgebrachten Plakate erklären, wurde dann offiziell begrüßt und betrat die Halle.
Nachdem Jutta Kropp und Jürgen Dierkes die Ministerpräsidentin und weitere Ehrengäste vorgestellt hatten, erfolgte der Fassbieranstich. Danach sangen die Kinder der KGS Bühne mit der Unterstützung der Gruppe „Ad sum Cantando“ ein Lied, in dem es unter anderem auch darum ging, dem Gast zu erklären, warum sie gern in Bühne zur Schule gehen. Die Vorsitzenden des Fördervereins der Schule, Christiane Klare und Elke Wrede, zeigten der Politikerin mit eindringlichen Worten Gründe dafür auf, wie wichtig es für unsere Kinder sei, die kleine Dorfschule in Bühne weiterhin besuchen zu können. Sie baten den Gast aus Düsseldorf, sich auch dafür einzusetzen, dass die Mindestschülerzahl für die Bildung einer Eingangsklasse von 18 auf 13 reduziert werden solle. Nun ergriffen die Kinder und die Vereinsvertreter ein Seil, um symbolisch darzustellen, dass ein ganzer Ort hinter diesen Wünschen steht und alle im wahrsten Sinn des Wortes an einem Strang ziehen.
Davon zeigte sich Hannelore Kraft zu Beginn ihrer Rede sehr beeindruckt. Zum Thema selbst führte sie aus: „Das Anliegen kann ich nachvollziehen. Aber ich gehöre auch nicht zu den Politikern, die was versprechen, das sie am Ende des Tages nicht halten können. Ich habe mir die Zahlen geben lassen. Und die Wahrheit ist: 13 werden nicht lange reichen, denn in den Jahren danach kommen noch weniger Kinder. Ich werde mich aber dafür einsetzen, dass die Kinder, die jetzt die Schule besuchen, es auch noch in Zukunft tun können.“
Hier eine inhaltliche Darstellung der wichtigsten Aussagen ihrer Rede: Wie aber schaffen wir es, aus der Demografiefalle herauszukommen? Warum werden weniger Kinder geboren? Dafür gibt es viele Gründe. Ein Grund ist, dass junge Menschen kaum noch klare Perspektiven haben. Selbst mit einem excellenten Hochschulabschluss werden den Leuten nur entweder schlecht oder gar nicht bezahlte Praktika angeboten. Das sind junge Menschen, die sich noch keine Kinder leisten können. Dafür werde ich arbeiten, diesen Leuten Perspektiven zu geben. Lassen Sie uns gemeinsam dafür streiten, dass es für gute Arbeit gute Löhne gibt.

Die Kinder der Grundschule machten bereits vor der Halle
auf die Probleme der Grundschule aufmerksam.

So schließt sich der Kreis und ich bin mir dann sicher, dass wir dann wieder Schulen brauchen, auch hier im Ort. Junge Menschen, die Angst um ihre Zukunft haben, sind nicht kreativ. Wir müssen ein Klima in den Betrieben schaffen, das nicht nur “ hire and fire“ vermeidet, sondern vertrauensvoll zu den Mitarbeitern ist. Es ist wirtschaftlich falsch, so mit jungen Menschen umzugehen. Wir brauchen mehr Kinder mit besseren Abschlüssen und eine verlässliche Betreuung für die arbeitsfähigen Frauen mit qualifizierten Berufen. Unser Bildungssystem muss durchlässig sein. Der Druck muss aufhören. Für eine wohnortnahe Schulversorgung wurde das Gemeinschaftsschulkonzept entwickelt. Das heißt: Die Kinder sollen länger gemeinsam lernen. Bisher hieß Durchlässigkeit in unseren Schulen, dass nach unten abgeschoben wurde. Durchlässigkeit nach oben war eher die Ausnahme. Bildung von der Kita bis zur Hochschule muss gebührenfrei sein, damit keine Hürden entstehen. Dazu gehört ein warmes Mittagessen und Zugang zu Sport und Kultur.
Unser Ziel ist es, allen Kindern die gleichen Chancen zu bieten. Das muss unsere Gesellschaft leisten. Zum Studium brauchen wir jeden, der das Zeug dazu hat. Deswegen sind die Studiengebühren abgeschafft worden. Wir wollen kein Kind mehr zurücklassen und müssen in unsere Kinder investieren, damit die Reparaturkosten gar nicht erst anfallen. Dabei müssen wir auch den Eltern helfen, wenn es Probleme gibt. So müssen die Strukturen so verändert werden, dass die Kommune diesen Eltern mehr hilft. Sonst steigen nur die Reparaturkosten. Jugendhilfemaßnahmen kosten eine Unmenge an Geld. Marode Banken werden mit Milliarden gerettet.
Wir müssen aber viel mehr in Bildung investieren, in Kitas, in Betreuung, in kleinere Lerngruppen mit der Möglichkeit zur individuellen Förderung. Das ist wichtig für den Wirtschaftsstandort NRW. Der Fachkräftemangel muss gestoppt werden. Ob wir im Haushalt Schulden machen oder nicht, hängt in erster Linie von den Einnahmen ab. So müssen starke Schultern in diesem Land mehr tragen. Wir brauchen deshalb eine Vermögenssteuer. Diejenigen, die uns in die Finanzkrise hereingebracht haben, müssen beteiligt werden. Deshalb brauchen wir mehr Steuergerechtigkeit durch mehr Steuerprüfer. Schulden werden dadurch abgebaut, dass Reparaturkosten verringert und Bildungsmaßnahmen gesteigert werden. Im Jahr 2009 haben wir 26,3 Milliarden Euro für Jugendhilfs- und Arbeitsamtsmaßnahmen, Hartz vier und schulische Warteschleifensysteme ausgegeben. Diese Ausgaben müssen vermieden und in Bildung investiert werden. Die Ausgaben sinken dann und die Einnahmen steigen. So werden Schulden abgebaut.
Am Ende stellte sie die Wichtigkeit des Ehrenamts für eine funktionierende Gemeinschaft dar und erhielt lang anhaltenden Beifall für ihre Rede. Heimwärts konnte und wollte sie aber noch nicht fahren, denn es folgten noch einige Programmpunkte. Sie trug sich in das goldene Buch der Stadt Borgentreich ein, nahm Neumitglieder in die SPD auf und beteiligte sich an einer Diskussionsrunde mit Vertretern der AWO. Nach dem Empfang eines Geschenkes war die Stunde des Abschieds gekommen. Für Bühne war es eine Ehre, einen solchen Gast begrüßen zu dürfen. Hannelore Kraft hat durch ihre Persönlichkeit dazu beigetragen, dass ihr Besuch in unserem Dorf unvergessen bleiben wird. Ein besonderer Dank gilt dem Chor Concordia und dem Musikverein, die mit schönen Melodien zum Gelingen dieses Festes beigetragen haben.

 

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